Der erste Selbstbau-PC Teil 5: Die Grafikkarte


Dieser Teil der Hardwareberatung auf dem Weg zum ersten selbst gebautem PC widmet sich den Grafikkarten. Es gibt Karten für nur ein paar Euro und welche, für die man schon einen gebrauchten Kleinwagen bekommt. Außerdem gibt es ja noch unterschiedliche Hersteller und Chipfabrikanten wie NVIDIA und AMD, und auch hier gibt es dann die Sache mit den ganzen unterschiedlichen Modellnummern.

Zuerst sollte geklärt werden, ob eine separate Grafikkarte überhaupt notwendig ist. Ein reiner Office-PC, dessen anspruchsvollste Aufgabe die Darstellung eines Youtube-Videos ist, kommt locker mit den internen Grafikeinheiten der hier empfohlenen Prozessoren aus. Wird viel HD-Material wiedergegeben oder auch gespielt, kommt man um eine Grafikkarte nicht herum.

Ob man lieber eine Karte mit Chip von NVIDIA oder AMD wählt, sei jedem selbst überlassen. Bei einem Prozessor von AMD bietet sich natürlich eine Grafikkarte an, deren Chip aus gleichem Hause kommt, einfach weil alles aus einer Hand kommt. Allgemein gesehen ist es aber egal, denn generelle Inkompatibilitäten zwischen NVIDIA, Intel und AMD gibt es nicht.


Die Multimedia-Grafikkarte

Jeder Multimedia-PC sollte schon eine eigenständige Grafikkarte haben, zumindest wenn man unter Multimedia, so wie hier, auch Bildbearbeitung oder ein wenig Videoschnitt versteht, abgesehen von der Wiedergabe von hochauflösendem Material. Ist die interne Grafikeinheit zu langsam, genügt für einfache Zwecke auch eine „kleine“ Grafikkarte.

Aus dem Hause AMD wäre da zum Beispiel derzeit eine Karte mit einem „Radeon HD 6450“empfehlenswert, der beispielsweise auf der Sapphire Radeon HD 6450 verbaut ist. Diese hier ist komplett passiv gekühlt, verbraucht wenig Strom und reicht zur Medienwiedergabe absolut aus, auch bei HD-Material. Ein Äquivalent von NVIDIA wäre eine Karte mit dem „GT610“, beispielsweise eine ASUS GT610-SL-1GD3L (nicht vom langen Namen abschrecken lassen)

Für etwas anspruchsvollere Aufgaben sollte es dann doch etwas mit ein bisschen mehr Power sein. Wer auch mal spielen (auch Flashgames im Browser können manchmal ziemlich anspruchsvoll sein) möchte, der braucht eine Karte mit einem stärkeren Chip und auch einem breiteren Speicherinterface. Hier würde ich eine Karte aus dem Einsteigersegment wählen, wie sie für Gelegenheitsspieler zu empfehlen ist.

Die Gaming-Grafikkarte

Wer spielen will, der braucht auf jeden Fall eine eigenständige Grafikkarte. Zuerst sollte einem klar werden, was man eigentlich spielen möchte, wie anspruchsvoll derartige Spiele sind und ob man unbedingt immer die allerhöchsten Grafikeinstellungen benötigt. Man kann sich zur Entscheidungsfindung einfach ein paar Spiele heraussuchen, die man gern spielen möchte und die Hardwarevoraussetzungen überprüfen. So kriegt man ein Gefühl dafür, wie die Grafikkarte dimensioniert sein sollte.

Ungefähr einmal im Jahr kommt eine neue Generation von Grafikchips heraus. NVIDIA und AMD halten ich da die Waage. Jeden Chip gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen. Für sparbewusste oder Gelegenheitsspieler ist auch immer ein Modell im unteren Preissegment (Einsteigersegment) dabei, welcher im Normalfall mit derzeit aktuellen Spielen auskommt, sofern man bereit ist, bei grafisch anspruchsvollen Spielen ein paar Abstriche bei den Grafikdetails zu machen.

Gaming-Einsteiger

Einen guten Kompromiss aus Preis, Leistung und Stromverbrauch macht man zum Beispiel derzeit mit bei NVIDIA mit dem „GTX 650 Ti“ wie Palit ihn auf der GeForce GTX 650 Ti OC verwendet. Dieses Modell ist genau so teuer wie andere Grafikkarten mit dem gleichen Chip, ist dafür aber von Haus aus übertaktet und damit etwas schneller als die Anderen.

Setzt man lieber auf AMD, käme derzeit eine Karte mit „Radeon HD 7770“ in Betracht, wie diese hier von XFX. Dieses spezielle Exemplar benutzt einen Kühler mit zwei Lüftern, wodurch ein leiserer Betrieb möglich ist als mit vielen Karten, die nur einen Lüfter besitzen, da ein Lüfter für den gleichen Luftdurchsatz schneller drehen muss, als wenn sich zwei die Arbeit teilen.

Grafikkarten für Vielspieler

Wer aktuelle Titel in guter Qualität und hoher Auflösung spielen möchte, der muss natürlich auch tiefer in die Tasche greifen. Es gibt in jeder Generation von Grafikchips auch Karten, die zwar nicht billig sind, dafür aber eine so hohe Leistung bringen, dass man einmal etwas mehr investiert, dafür aber meist getrost die kommenden Generationen überspringen kann. Ich selbst spiele noch mit einer schon in die Jahre gekommenen Radeon HD 5850. Selbst in Full-HD kann ich aktuellen Spielen wie Crysis 3 oder Tomb Raider mit höchsten Details ruckelfrei spielen. Die einzige Einschränkung ist, dass ich die Kantenglättung reduzieren muss, aber das sehe ich sowieso kaum einen Unterschied.

AMD hat in diesem Segment derzeit den „Radeon HD 7950“ im Angebot, der auf dieser Karte sein Werk verrichtet. Noch teurer, aber auch noch leistungsstärker ist eine Karte mit „Radeon HD 7970“ wie diese von Sapphire. Alles darüber hinaus ist meiner Meinung nach einfach unvernünftig und für Enthusiasten. Aber diese haben vermutlich hier sowieso schon aufgehört zu lesen.

Die direkte Konkurrenz von NVIDIA findet man auf Karten mit GTX 670  oder noch schneller mit GTX 680.

Zusätzliche Infos

Die Grafikkarte muss zum Rest des Systems passen. Man liest besonders im Gaming-Bereich oft, ein Prozessor würde eine Grafikkarte ausbremsen, oder umgekehrt. Diese Formulierung ist, gelinde gesagt, großer Mist.

Besser wäre es zu sagen, dass eine der jeweiligen Komponenten bei Spielen limitierend wirkt. Es macht keinen Sinn, bei einem Low-End-PC eine High-End-Grafikkarte zu verbauen. Die Grafikkarte kann noch so schnell sein, ein Spiel wird nicht flüssig laufen, wenn der Prozessor zu schwach ist. Der Prozessor bremst dann das Spiel, nicht die Grafikkarte.

Für einfache Office- und Multimedia-Nutzung reicht eine kleine Grafikkarte, wenn man eine braucht. Gelegenheitsspieler und vor allem anspruchsvolle Spieler kommen ohne eigene Grafikkarte nicht aus. Hier bestimmen allein die persönlichen Ansprüche die Wahl.

Eine sehr gute Entscheidungshilfe bieten auch regelmäßig erscheinende Vergleichstests wie dieser hier von Computerbase, bei dem auch wichtige Eigenschaften wie Lautstärke und Leistungsaufnahme berücksichtigt werden. Eine schnelle Grafikkarte kann nämlich durchaus mehr Energie verbrauchen als der gesamte Rest des Systems.

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