Bericht und HowTo: CyanogenMod installieren


CyanogenMod ist eines der beliebtesten Custom-Roms für Android-Smartphones. Im August 2013 kam CyanogenMod (CM) auf die Zahl von stolzen 6,6 Millionen Installationen auf Smartphones und Tablets, im Juli 2012 waren es noch lediglich 2,7 Millionen. Was hat es mit der Rom auf sich und wie kann man es installieren? Hier ein kleiner Guide.

Was ist CyanogenMod?

CyanogenMod ist eine alternative Firmware für Smartphones und Tablets, welche auf dem originalen Android-Quellcode basiert und im Rahmen eines Android Open Source Projects (AOSP) entwickelt wurde. Ziel der Entwickler war und ist es, Android weiterzuentwickeln und nebenbei so viele Geräte wie möglich mit einer aktuellen Version zu versorgen, da es leider mittlerweile zum Standard geworden ist, dass selbst hochpreisigste Smartphones erst sehr spät oder überhaupt nicht mit einem Update auf eine neue Android-Version versehen werden.


Der Vorteil einer Firmware wie CyanogenMod ist, dass das Smartphone von unnötigem Softwareballast befreit wird. Bis auf die Nexus-Modelle von Google selbst verändert jeder Hersteller das Betriebssystem, indem eine eigene Benutzeroberfläche aufgespielt wird und eine Menge eigener Apps und sonstiger Programme tief ins System integriert werden. Die eigenen Oberflächen etc. sorgen zwar für einen großen Wiedererkennungswert einer Marke, sind aber in der Regel bezüglich ihrer Möglichkeiten der Oberflächenanpassung wenig flexibel.

Zudem werden viele Hintergrunddienste von vielen Usern gar nicht benutzt und verbrauchen somit unnötig Speicherkapazität und Rechenleistung, was sich dann in einer verringerten Akkulaufzeit und einer gefühlt meist trägen und relativ langsamen Bedienung äußert. CyanogenMod hat keine unnötigen Programme integriert und legt viel Wert auf Stabilität und Geschwindigkeit. Außerdem erweitert es das Android-Betriebssystem um weitere sinnvolle Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten, die bei den von den Geräteherstellern modifizierten Versionen zumeist versteckt oder deaktiviert sind. Durch Root-Zugriff wird nebenbei auch sichergestellt, dass der Nutzer die Möglichkeiten seines Geräts vollkommen ausreizen kann.

Vor- und Nachteile von CyanogenMod

CyanogenMod ist natürlich nicht der heilige Gral für Smartphones und Tablets. Die Vorteile liegen aber deutlich auf der Hand. So wird das System von unnötigem Ballast befreit, wodurch sich Akkulaufzeit und die gefühlte Geschwindigkeit erhöhen. Auch der Root-Zugriff ist ein Vorteil, denn Software, welche einen entsprechenden Zugriff erfordert wie beispielsweise die Backup-Lösung Titanium Backup, welche sich ohne Root nicht in vollem Umfang nutzen lässt.

Der größte Vorteil liegt aber immer noch in der Verfügbarkeit aktueller Android-Versionen für ältere Geräte, die nichtmal mehr ein Update bekommen, wenn kritische Sicherheitslücken in der alten Version entdeckt und sogar aktiv ausgenutzt werden. Eine alte Softwareversion stellt also auch ein Sicherheitsrisiko dar.

Außerdem eignet sich CyanogenMod für alle Menschen, die Wert auf den Schutz ihrer Daten legen. Die Datenschutzoptionen sind relativ vielfältig und wer Google so wenig Daten wie möglich geben möchte, kann mit CM auch ein Android ohne die sonst vorinstallierten Google-Apps bekommen. Google-Apps wie der Play-Store oder die Gmail-App sind im reinen CyanogenMod nicht enthalten, lassen sich jedoch als Zusatzpaket optional direkt mitinstallieren.

Aber CM bietet leider auch ein paar Nachteile. In der Regel geht bei Aufspielen einer alternativen Firmware die Herstellergarantie verloren. Sollte das Gerät nach dem Flashen nicht mehr reagieren oder sich ein anderer Defekt ergeben, kommt man um eine kostenpflichtige Reparatur kaum herum. Ein weiterer Nachteil ist, dass die nützlichen Funktionen der originalen Firmware verloren gehen, beispielsweise bestimmte Funktionen zur Gestensteuerung oder Herstellerspezifische Sprachsteuerungsmöglichkeiten.

Seitens der Kompatibilität ist es möglich, dass ein paar wenige Apps nicht richtig funktionieren, diese stellen jedoch die absolute Minderheit dar. Bei mir stürzt beim Samsung Galaxy S3 unter CM 10.1.3 die FRITZ!App Fon bei eingehenden Anrufen ab. Andere Probleme mit Apps dagegen treten zumindest bei mir nicht auf.

Die Installation von CyanogenMod

Wichtige Information zu Beginn: Der Akku sollte beim Flashen der Firmware mindestens zur Hälfte geladen sein. Idealerweise hängt das Gerät am Netzteil. Die Gefahr ist, dass das Gerät überhaupt nicht mehr reagieren kann, sollte es sich während des Installationsprozesses abschalten.

Die Installation ist eigentlich verhältnismäßig unkompliziert. Unerfahrene User sollten sich jedoch sicherheitshalber nach konkreten Anleitungen im Internet für ihr spezifisches Gerät suchen und sich ruhig ein paar Stunden Zeit nehmen um sich über mögliche Probleme zu informieren. Außerdem muss das Gerät gerootet sein.

Die einfachste Methode ist die über den ClockworkMod (CWM) ROM Manager, der sich einfach im Play Store downloaden lässt. Der ROM Manager setzt allerdings bereits Root-Rechte voraus. Hat man ein gerootetes Gerät, prüft das Tool, ob eine aktuelle Version von CWM-Recovery installiert ist. Sollte das nicht der Fall sein, kann das Tool direkt aus der App heraus heruntergeladen und installiert werden.

Im ROM-Manager sollte man zur Sicherheit zunächst ein Backup der aktuellen ROM anlegen. Dafür gibt es den Menüpunkt „Sicherung der aktuellen ROM“. Das Gerät startet nach Auswahl des Backupnamens neu und legt das entsprechende Backupfile an. Nach einem weiteren Neustart des Geräts kann man dann mit der eigentlichen Installation von CyanogenMod beginnen.

Der ROM-Manager bietet die Option des direkten Downloads verschiedener ROMs an. Unter dem Menüpunkt „ROM herunterladen“ findet man die Auswahl und wählt CyanogenMod aus. Nun steht man vor einer relativ langen Liste, die eingeteilt ist in „Stable“, „Release Candidate (RC)“ und „Nightlies“. Die Nightlies sind immer die topaktuellsten Versionen. Dabei handelt es sich allerdings um Entwicklerversionen und sind daher für unerfahrene Nutzer nicht zu empfehlen.

Release Candidates sind, wie der Name schon sagt, Versionen, die zur Veröffentlichung vorgesehen sind. Sie sind insoweit fertig, als dass keine neuen Entwicklungen mehr eingepflegt werden. Die Release Candidates sind im Grunde Testversionen, bei denen nur noch eventuelle Fehler gefunden und behoben werden. Sind diese Fehler entfernt, erhält die Version den Status „Stable“.

Stable-Versionen sind so fehlerfrei wie möglich und gelten als bedenkenlos einsetzbar. Daher sollte man die Stable-Rom mit der höchstmöglichen Versionsnummer wählen. Der ROM-Manager überprüft nun, welches Smartphone man hat und ob die ROM mit dem Gerät kompatibel ist. Damit nicht versehentlich eine falsche ROM heruntergeladen und installiert wird, muss man noch bestätigen, dass die Software das Gerät richtig erkannt hat. Nun wählt man aus, ob nur CM oder auch die Google-Apps heruntergeladen werden sollen und der Download beginnt.

Während des Downloads kann man sein Gerät weiter nutzen, ein Symbol in der Statusleiste informiert einen, wenn der Download abgeschlossen ist. Nun kann man mit einem Klick auf den Download die Installation initiieren. Der ROM-Manager fragt jetzt, ob man einen Wipe machen möchte. Wipe bedeutet, dass der Cache und verschiedene Einstellungen und Nutzerdaten gelöscht werden. Die Optionen sollten angewählt werden, da es unter Umständen zu Problemen führen kann, sollten die Daten nicht ordnungsgemäß bei der Installation überschrieben werden. Dieser Risikofaktor ist bei einem Wipe nicht vorhanden, weil die Daten vor der Installation gelöscht werden.

Es folgt eine Phase des Wartens. Das Gerät startet neu und beginnt vollautomatisch mit der Installation. Der erste Teil der Installation dauert maximal wenige Minuten. Dagegen kann beim ersten Hochfahren der Eindruck entstehen, das Smartphone oder Tablet hätte sich aufgehängt, da der Bootvorgang ziemlich lange dauert. Es ist normal, dass das Gerät mehrere Minuten nicht reagiert. Das System wird in dem Augenblick eingerichtet und sollte dabei nicht ausgeschaltet werden.

Nach Abschluss der Installation kann man sich nun mit seinem neuen Betriebssystem beschäftigen und seine persönlichen Einstellungen vornehmen. Hat man die Google-Apps installiert, beginnt auch gleich der Download der Apps aus dem Market.

In Kürze wird es eine andere, einfachere Methode zur Installation geben. CyanogenMod wird ein Programm für Windows (später auch für Linux und Mac) veröffentlichen, mit dem sich die ROM schnell und bequem über eine grafische Benutzeroberfläche installieren lässt. Bisher ist nicht bekannt, wann die Installationssoftware endgültig erscheinen wird, erste Tests laufen aber bereits. Auch ist noch nicht bekannt, mit welchen Geräten der Windows-Installer kompatibel ist. Zu Beginn ist damit zu rechnen, dass erst ein kleiner Teil der zu CM kompatiblen Geräte auch mit dem Installer kompatibel ist.

Eigene Erfahrungen mit CyanogenMod

Abschließend komme ich zu einer eigenen persönlichen Bewertung. Seit etwa einem Monat nutze ich auf meinem Samsung Galaxy S3 CM 10.1.3 anstelle der Standard-ROM mit Root-Kernel. Da mir der Touchwiz-Launcher nicht zusagt, habe ich den ADW-Launcher EX benutzt. Diesen Launcher nutze ich auch mit CyanogenMod, ich habe mich einfach daran gewöhnt.

Tatsächlich bemerke ich eine Verlängerung der Akkulaufzeit und trotz gleichen Launchers fühlt sich das System für mich schneller an. Es reagiert augenblicklich auf Eingaben und auch die Aufwachzeit bei Aktivierung des Displays scheint deutlich geringer zu sein. Schön ist auch, dass der Sperrbildschirm direkt Zeit, Datum, nächste Weckzeit und die lokale Wetterauskunft anzeigt. Zudem gibt es die Möglichkeit, Apps wie die Kamera oder SMS direkt vom Lockscreen aus zu starten.

Für mich war es wichtig, mein Android nach meinen Wünschen konfigurieren zu können. Mit CM geht das richtig gut. Der Vibrationsalarm lässt sich ziemlich frei konfigurieren (Rhythmus und Intensität), die LED-Farben und das Blinkverhalten ebenfalls. Überhaupt lässt sich so ziemlich alles, was das Gerät kann frei konfigurieren, auch zahlreiche Energiesparoptionen, sowie Möglichkeiten zur Über- und Untertaktung sind vorhanden. Das Verhalten von Apps lässt sich ebenfalls leicht kontrollieren, wodurch man mehr Kontrolle darüber hat, welches Programm auf welche Daten zugreifen kann.

Insgesamt sind die Konfigurationsmöglichkeiten des Systems sehr umfangreich, ohne jedoch unübersichtlich zu werden. Nicht gefallen hat mir der mitgelieferte Launcher, aber das ist schließlich Geschmackssache. Auf der positiven Seite kann ich für mich das Fazit ziehen, dass CM sehr schnell und enorm stabil ist. Es fühlt sich tatsächlich so an, als wäre das wahre Potenzial des Galaxy S3 entfesselt worden.

Auf der negativen Seite steht, dass es immer noch minimale Kompatibilitätsprobleme gibt, wie bei der genannten FRITZ!App Fon. Ansonsten stürzte mir die Navigationssoftware ab, was jedoch durch ein Update behoben wurde. Seitdem läuft sie ohne jedes Problem. Schade ist auch, dass die wenigen von mir genutzten Systemeigenen Funktionen des S3 nicht mehr funktionieren. Die Möglichkeit zur Aufnahme von Screenshots durch Wischen über den Bildschirm war ganz nützlich, ebenso die intelligente Gesichtserkennung, die den Bildschirm nicht deaktiviert, solange man diesen ansieht.