Der erste Selbstbau-PC Teil 2: Das Mainboard


Ist die Entscheidung für einen bestimmten Prozessor gefallen, geht es weiter mit der Hardwaresuche. Der nächste Schritt ist das Mainboard. Auch diese Wahl will mit Bedacht gefällt werden, denn das Mainboard verbindet schließlich alle Komponenten mit einander. Nur welcher Sockel, welches Format, welcher Chipsatz, USB 2.0, USB 3.0, SATA, eSATA, Firewire, PCIe, WiFi, BIOS… Alles klar? Wenn nicht, dann wird das jetzt geändert.

Die Unterteilung in Office-, Multimedia-, oder Gamingmainboards macht keinen Sinn und wird daher hier, wie später auch in weiteren Kategorien nicht angewandt.

Grundsätzliches


Der Beginn der Mainboardwahl ist mehr als einfach. Der Prozessor steht ja bereits fest. Dieser hat immer eine spezifische Bauform und Pinbelegung und benötigt daher ein Board, welches genau den Sockel hat, den er benötigt. So braucht beispielsweise der empfohlene Low-End-Prozessor Intel Celeron G1616 ein Mainboard mit Sockel 1155, ein AMD A4-5300 eines mit Sockel FM2.

Damit man sich nicht die Finger wund sucht, sind Mainboards in der Regel bei Preisvergleichs-Seiten wie dem hier von mir genutzten Geizhals und auch bei eigentlich jedem Onlinehändler nach Sockeln sortiert, so dass man alle Boards die in Frage kommen übersichtlich angeordnet vorfindet.

Jetzt gibt es Mainboards für 30 Euro, welche für teils mehrere hundert Euro und die ganze Grauzone dazwischen. Ruft man zum Beispiel bei Geizhals nur die Liste der verfügbaren Mainboards mit Sockel 1155 auf, erhält man derzeit 13 Seiten mit jeweils 30 Mainboards. Klingt nicht nur ein wenig unübersichtlich, ist es auch.

Auswahlkriterien: Format und Speicher

Um die Auswahl deutlich zu erleichtern, sollten die wichtigsten Dinge herausgefiltert werden. Zunächst entscheiden wir uns für ein Format. Das Format bezeichnet nicht mehr und nicht weniger als die Bauform, respektive die Größe. Am gängigsten, und daher Mittel der Wahl ist das Format ATX. Wer sich einen besonders kleinen Computer bauen möchte, beispielsweise als HTPC, der kann auch das kleinere µATX nehmen.

Jetzt ist die Auswahl aber immer noch gewaltig. Weiter geht es also mit den benötigten oder nicht benötigten Eigenschaften. Die Zahl der RAM-Steckplätze ist für jeden wichtig, der viel Arbeitsspeicher braucht oder ihn später aufrüsten will.  Da ein normaler PC mittlerweile mindestens 4 GB RAM haben sollte, leistungsstarke PCs besser 8 GB, sollte man nicht am falschen Ende sparen. Man kann ruhig ein Board mit 4 Steckplätzen nehmen. Zur Speichergeschwindigkeit lässt sich sagen, dass diese für den Normalanwender quasi irrelevant ist. Der Unterschied zwischen 1333 und 1600 MHz bspw. ist mehr mess- als spürbar. Hardcoregamer und User sehr speicherlastiger Anwendungen  können gerne zu 1600er-RAM greifen, für alle anderen reicht auch eine Nummer langsamer vollkommen aus.

Anschlussmöglichkeiten: USB

Wie viele Geräte sollen an das Board angeschlossen werden? Die Frage sollte man sich vorher stellen. Der Durchschnittsuser hat ja nicht besonders viele USB-Geräte. Maus, Tastatur und evtl. Drucker sind ja immer vertreten. Soll noch ein Handyladekabel oder so dazu kommen, brauchen wir also mindestens 4x USB 2.0. Besser und üblich sind 8 USB-Anschlüsse, denn man weiß ja nie, ob man nicht doch noch weitere USB-Geräte bekommen wird. Die Entscheidung zwischen internen und Externen USB-Anschlüssen ist quasi egal. Interne USB-Anschlüsse bedeuten nur, dass man die mittlerweile auch übliche Frontblende mit USB-Anschlüssen seines Towers daran anschließt, so dass diese auch funktionieren. Damit entfällt das lästige Krabbeln und Bücken, weil man seinen USB-Stick irgendwie hinten am PC anschließen muss.

USB 3.0 ist auch eine gute Sache und sollte bei einem aktuellen Mainboard dabei sein. Zwar gibt es noch nicht viele Geräte die auf USB 3.0 setzen, aber die Entwicklung bleibt ja nicht stehen. Außerdem können alle Geräte für USB 2.0 auch an Buchsen für USB 3.0 betrieben werden.

Anschlussmöglichkeiten: Festplatten und Laufwerke

Hier kommen die SATA-Ports ins Spiel, von denen es unterschiedliche Varianten gibt. Die erste Frage ist die nach der Anzahl der Laufwerke. Minimum sind ja ein DVD- oder Blu-Ray-Laufwerk und mindestens eine Festplatte. Das soll aber kein Problem sein, da keine Mainboards mit weniger Anschlüssen verkauft werden. Minimum sind 4 SATA (oder SATA II) Anschlüsse. Man sollte schon auf SATA II achten, da einfach schnellere Datentransfers möglich sind. Und wie auch bei USB gilt, dass SATA-Geräte auch an Anschlüssen für SATA II funktionieren. Möchte man eine alte Festplatte mit einem anderen Anschluss weiter benutzen, sollte das Board natürlich auch so einen haben.

Der Grafikport und PCIe

Soll wie beim Office-PC empfohlen die interne Grafikeinheit des Prozessors benutzt werden, sollte man ein Board nehmen, welches den zum Monitor passenden Anschluss vorweist, also eines der derzeit Verbreitesten, VGA, DVI oder HDMI.

Zum Thema PCIe lässt sich sagen, dass es zwischen Version 2.0 und 3.0 eher nur messbare Unterschiede gibt, die noch nicht wirklich ausgereizt werden. Daher sollte die Wahl dabei relativ egal sein. Nur für Gamer ist es interessant, ob zwei oder noch mehr Ports zur Verfügung stehen, wodurch man entsprechend viele Grafikkarten verbauen kann, welche sich die Arbeit teilen.

Sonstige Daten und Anschlüsse

Wer spezielle Anschlüsse wie FireWire braucht, der wird natürlich von selbst auf die Idee kommen, ein Board mit entsprechender Schnittstelle zu suchen. Ansonsten gibt es auch Boards mit integriertem WLAN oder Bluetooth. Allerdings sind diese Boards meist deutlich teurer als ihre Kollegen, die es nicht onboard haben. Da sollte man sich überlegen, ob man, wenn man diese Funktionen braucht, nicht lieber auf einen preiswerten USB-Stick zurückgreift. Bedenkenlos benutzen lässt sich auch die integrierte Soundkarte, die mittlerweile auch Standard ist und einen guten Sound liefert. Eine zusätzliche Soundkarte braucht man nur, wenn man sehr hochwertige Boxen benutzt und ein Sound-Enthusiast ist. Leute, die Musik am PC produzieren, setzen eh auf spezielle Karten oder nutzen externe Interfaces dazu.

Mittlerweile sollten alle Grundfunktionen abgedeckt sein und sich die Wahlmöglichkeiten auf eine oder zwei Hand voll Mainboards eingegrenzt haben. Es gibt auch noch diverse andere Schnittstellen und Zusatzchips. Aber wer nicht weiß, was ein RAID-Controller macht, der braucht ihn auch nicht. Festplatten, Laufwerke, externe Geräte etc. sind bisher ja schon versorgt.

Und zum Finale: Der Chipsatz

Die Wahl des Chipsatzes ist durch den Sockel schon teilweise determiniert. Bei Intel-Chipsätzen muss man ein klein wenig aufpassen. Wer übertakten möchte, der braucht einen Chipsatz der P-Serie, z.B. den P67 bei einem Prozessor mit Sockel 1155. Allerdings lässt sich damit die interne Grafikeinheit nicht benutzen, daher benötigt man eine zusätzliche Grafikkarte, aber wer übertakten möchte, der benutzt sowieso eine solche. Wer das nicht vorhat, der setzt auf die H-Serie. Für Sockel 1155 stellt es sich so dar, dass der H67 der Standard-Chipsatz ist und auch die Nutzung integrierter Grafikeinheiten zulässt. Der H61 ist der preiswertere kleine Bruder des H67 und unterscheidet sich eigentlich nur in der Zahl der unterstützten RAM-Steckplätze von ihm.

Bei AMD gestaltet sich die Suche einfacher. Die aktuellen Chipsätze A55, A75 und A85X unterscheiden sich in der Zahl der unterstützten Anschlüsse. Hier wäre der A75 zu empfehlen, da der kleine Bruder von ihm kein USB 3.0 unterstützt. Wer mehr als 6 SATA-Ports braucht oder AMD Crossfire (Nutzung zweier Grafikkarten von AMD in einem PC) einsetzen möchte, greift zum A85X.

Bei Prozessoren älterer Generationen kann man einfach sagen: Je höher die Zahl, desto mehr kann der Chip. Das hier aber alles aufzuschlüsseln wäre des Guten dann doch zu viel.

Und welche Marken?

Das kann man so pauschal natürlich nicht sagen. Es gibt viele namhafte Hersteller mit soliden Mainboards für sämtliche Einsatzbereiche. Die Meistempfohlenen sind sicherlich ASUS und Gigabyte. Wer sparen will, kann auch zu ASRock greifen. Das ist so etwas wie die kleine Tochter von ASUS, die vor allem im niedrigeren Preissegment  mit vielen guten Boards vertreten ist. Einige haben ASRock bestimmt schon einmal gehört und bringen es mit minderwertiger Ware oder einer Resteverwertung in Verbindung. Das war vielleicht auch mal so, aber in einschlägigen Internetforen haben die Empfehlungen von ASRock-Mainboards in den letzten Jahren stetig zu- und die Beschwerden darüber entsprechend abgenommen. Das vor Jahren scheinbar bestehende Qualitätsproblem scheint ASRock also in den Griff bekommen zu haben.

Fazit

Das richtige Mainboard für seinen Zweck zu finden ist also gar nicht so schwer. Wer weiß, was er mit dem PC machen möchte und was er daran anschließen will, der findet ziemlich schnell ein passendes Mainboard. Manche Boards setzen auf ein klassisches BIOS, andere auf das neuere UEFI. Auch wenn UEFI neuer und somit vorzuziehen ist, macht man aber auch mit einem Board mit Standard-Bios nichts verkehrt.

Jetzt sollte der Grundstein für den ersten selbstgebauten PC stehen. Der Sockel wird bei der Wahl des Kühlers noch einmal wichtig werden. Das wird aber an anderer Stelle behandelt werden, da der Kühler bei einem Boxed-Prozessor sowieso zu Prozessor und Sockel passt.

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