Ausprobiert: Eine Woche mit Google Now 1


Es ist nicht lange her, da veröffentlichte Google ein großes Update seiner Suchmaschinen-App und führe Google Now ein. Die Erwartungen waren hoch, sollte damit doch so etwas wie eine Konkurrenz für Siri geschaffen werden. Google Now soll aufs Wort hören und die Sprachsteuerung für Android revolutionieren. Außerdem soll es den Alltag vereinfachen und einem immer aktuelle und personalisierte Informationen über sich, seine Interessen und Umgebung bereitstellen. Ich habe meine erste Woche mit Google Now verbracht.

Ich dachte mir einfach, da Google eh schon alles über mich weiß, kann ich mich auch per Google Now verfolgen lassen. Wenn Google meine Suchbegriffe irgendwann veröffentlichen sollte, kann ich sowieso in ein Erdloch im Kaukasus ziehen. Irgendwo im Wald. Ganz hinten. Also kann Google auch wissen, wie ich mich bewege, was ich mache und wann ich wie zur Arbeit oder nach Hause fahre.

Installation und Einrichtung


Es ist ziemlich exakt eine Woche her, da habe ich Google Now in freudiger Erwartung installiert. Die Installation lief wie üblich schnell und problemlos ab, es war ja eigentlich nur ein Update der Such-App. Vielleicht noch ein paar Worte zu meiner Testumgebung: Samsung Galaxy S3, Android 4.1.2, Root, kein Custom-Rom, keine Energiesparoptionen oder so aktiviert. Lediglich den Launcher habe ich von Touchwiz auf den ADW-Launcher Ex umgestellt. Auch habe ich alle Berechtigungen zugelassen.

Google Now soll sich einfach durch Wischen nach oben auf einem beliebigen Homescreen öffnen lassen. Das funktioniert schon mal nicht. Aber gut, das liegt wohl am ADW-Launcher, der eigene Gesten unterstützt. Also habe die Wisch-Geste mit dem Starten von Google Now belegt. Natürlich habe ich auch gleich das Widget eingerichtet.

Los geht’s, Google Now mit Daten füttern. Die Verknüpfung mit dem Google-Account ist ja obligatorisch. Unter „Einstellungen“ habe ich dann erst mal meine Inhalte eingestellt. Google Now bietet an, seine Sportmannschaften festzulegen, um Informationen, beispielsweise über aktuelle Ergebnisse, anzuzeigen, ebenso Aktienkurse und Adressen. Leider bietet Google Now nur an, die Adressen „Zu Hause“ und „Arbeit“ zu speichern, also die tägliche Pendelstrecke. Fährt man zusätzlich regelmäßig zum Sportverein oder so, schaut man bei Google Now leider in die Röhre.

Der erste Eindruck

Alles ist eingerichtet. Ich aktualisiere Google Now und sehe meinen Standort und das Wetter. Auch mein Arbeitsplatz wird angezeigt, inklusive der Route dorthin, dem Fußweg bis zur S-Bahn samt Abfahrtszeit und auch die Gesamtzeit von jetzt bis zur Ankunft wird dargestellt. Toll, das macht Sinn, ich mache Google Now auf und habe die Informationen sofort auf dem Schirm, auch das Widget zeigt mir eine Zeile mit dem Arbeitsweg an. Macht sich richtig gut. Fürs erste.

Eigentlich sollte Google Now ja ähnlich wie Siri funktionieren. Wenn man es anspricht, hört es auf einen. Das soll über den Befehl „Ok, Google“ geschehen. Egal wie oft und wie höflich ich Google aufgefordert habe, sich zu öffnen, es passiert nichts. Aber das ist okay, nach kurzer Recherche fand ich raus, dass die „Ok, Google“-Funktion hierzulande noch nicht freigeschaltet ist. Dafür sollte die Sprachausgabe funktionieren. Bei Google Plus beschäftigte Caschy seine Leser mit der Frage, ob Google Now zu ihnen spricht oder nicht. Scheinbar gab es ein Problem und Google Now sprach erst nach und nach im Laufe des Abends wieder mit den unterschiedlichen Leuten. Aber nicht mit mir, mein Google Now ist stumm geblieben. Bis heute. Aber die Sprachsuche und -steuerung kann man ja trotzdem ausprobieren, denn Google Now versteht mich ja.

Die Sprachsuche

Ich probiere während des Schreibens dieses Artikels einfach mal „live“ ein paar Sätze und Anfragen aus.

Wo liegt Osnabrück?

Richtig erkannt, Google Now zeigt mir eine Karte von Osnabrück und mehrere Suchergebnisse. Erster Treffer ist der Wikipedia-Artikel zu Osnabrück. Sehr gut.

Wann war das Champions-Leaque-Finale?

Google erkennt: „Wann war das kleine“ und beim zweiten Versuch „Wann war das eigentlich Finale“. Durchgefallen. Aber beim dritten Anlauf mit bewusst deutlicher und langsamer Sprache hat Google Now begriffen, was ich wollte und präsentiert mir Zeitungsartikel zu eben diesem Spiel. Na bitte, es geht doch.

Wie spät ist es in Philadelphia?

Keine Ahnung, aber immerhin hat Google mir Suchergebnisse angezeigt, über die ich mit einem einzigen Klick die Antwort erfahre. Sicher praktisch, aber Google hätte mir das Ergebnis auch einfach verraten können.

Wer erfand das Telefon?

Wieder lande ich auf der Suchseite, bekomme aber wieder die richtigen Treffer.

Definition Telefon

Praktisch, ich bekomme einen kleinen Kasten mit der Definition und dem Link auf den Wikipedia-Artikel über Telefone. Erneut großes Kino.

Machen wir es etwas komplizierter

Wo kann ich in der Nähe etwas essen?

Der Satz wurde richtig erkannt, zeigt mir aber nur die gleichen Ergebnisse an, die ich auch bei der Browsersuche kriegen würde. Obwohl mein Standort klar definiert ist, Google alle Zugriffsrechte auf meinen Standort hat, kommt es nicht auf die Idee, in der Nähe zu suchen. Auch die Umstellung der Suche auf Places bringt mich nicht weiter. Fail.

Wann kommt wieder Formel 1?

Die Spracherkennung ist ja gut, aber nach Formel 1 googlen kann ich selbst, ich hätte gerne einfach nur eine Anzeige mit dem Datum des nächsten Rennwochenendes gehabt. Sollte ja nicht so schwer sein.

Wie hat mein Verein gespielt?

Gar nicht, obwohl ich Borussia Dortmund als meinen Verein eingetragen habe. Die konkretisierte Frage „Wie hat Borussia Dortmund“ gespielt, liefert dagegen eine direkte Übersicht über das Ergebnis des Champions-Leaque-Finales und des letzten Bundesligaspiels. Na also.

Wie komme ich von hier nach Madrid?

Klasse, ich bekomme eine Reiseroute mit Karte und allen wichtigen Infos. Ein Klick auf die Karte und ich kann mir aussuchen, dass zum Beispiel Google Maps die Navigation dorthin übernimmt. Auch mein aktueller Standort ist korrekt.

Ich will nach Hause

Einfache Google-Suche. Ich hätte mir gewünscht, dass er den Ort „zu Hause“ ausliest und mir eine Route dorthin präsentiert. Oder zumindest fragt, ob das gemeint ist oder einfach nur nach dem Satz gesucht werden soll.

Die Sprachsteuerung

Die Spracherkennung zwecks Internetsuche funktioniert soweit ganz gut. Die Erkennung funktioniert ziemlich zuverlässig, nur „denkt Google zu wenig nach“, was ich eigentlich bezwecken könnte. Übrigens ist Google Now eher was für Menschen, die Hochdeutsch sprechen. „Wo krieg icke hier ne Schrippe“  im Berliner Akzent kam zu dem Ergebnis „wo kann ich eine Schlampe“ und der erste Link führe zu Yahoo Answers und der Frage, wo man Nutten bestellen kann. Interessant.

Aber gut, probieren wie die Steuerung nun mal aus.

Öffne Youtube

Super, die YouTube App wird mit einer kleinen Zeitverzögerung geöffnet. Befehl richtig erkannt und dank der Verzögerung kann ich den Vorgang abbrechen, sollte Google etwas falsch verstanden haben.

Notiz an Mich: Kartoffeln kaufen

Notiz gespeichert, den Satz bei Google gesucht. Außerdem erhalte ich eine Email „Persönliche Notiz“ mit dem Inhalt „Kartoffeln kaufen“ und zur Sicherheit ein Audiofile mit meinem gesprochenen Text. Sah am Anfang befremdlich aus, macht aber Sinn, denn Google versteht ja nicht wirklich alles was man sagt.

Spiel was von Green Day

MP3-Player will sich öffnen, schließt sich aber gleich wieder, da Green Day kein Lied hat, das „was“ heißt.

Spiel Green Day

MP3-Player öffnet sich erneut und ich höre tatsächlich Green Day, allerdings nur ein Lied, obwohl mehrere im selben Ordner sind. Das ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.

Termin Weihnachten 24. Dezember, 8 Uhr

Google will einen Termin eintragen. Abgesehen davon, dass ich wohl genuschelt habe und „Termin Weihnachten 10.10. Wachturm“ erkannt wurde, scheint diese Funktion auch zu klappen.

Google Now im Alltag

Es ist klar, dass Google Now noch nicht ganz ausgereift ist. Aber die Software hat Potential. Die wichtigsten Dinge funktionieren, andere Sachen brauchen entweder Überarbeitung seitens Google, um die Intuitivität von Siri zu erreichen, oder man muss sich etwas mehr mit den Befehlen an Google Now beschäftigen.

Jetzt aber zu Google Now als Tagesbegleiter. Jetzt zeigt sich quasi, wo er Frosch die Locken hat. Der Satz ist ziemlich passend, denn hätte ich einen Frosch, hätte er nach meinen Erfahrungen Locken bekommen.

Zur Arbeit und wieder zurück

Ich verlasse das Haus am nächsten Morgen und möchte zur Arbeit. Das kann Google ja noch nicht wissen. Also lade ich Google Now, aktualisiere und warte was passiert. Es erkennt, dass ich draußen bin und zeigt mir, wie ich wieder nach Hause komme. Die komplette Fahrt über ging das nicht anders. Dass ich mich von meinem Pendelort „zu Hause“ entferne und auf direktem Weg zum Pendelort „Arbeit“ bin, kriegt Now erst mal nicht mit. Auch dass ich S-Bahn fahre interessiert Now nicht, anhand des Bewegungsmusters hätte Now merken können, dass ich mich nicht mit dem Auto fortbewege. Dafür zeigt es bei der Fahrzeit mit dem Auto auch Verzögerungen durch Staus etc. an.

An meinem Arbeitspatz hat Now  dann festgestellt, dass ich dort bin. Das ist schon mal schön. Es zeigt mir auch den Weg nach Hause an, kommt jetzt aber auf die Idee, dass ich die S-Bahn nehme. Das ist auch richtig, auch die Dauer mit Fußweg zum Bahnhof und die nächste Abfahrzeit werden mir angezeigt. Super, so hab ich mir das vorgestellt.

Unterwegs habe ich mir weitere Karten anzeigen lassen. So zeigt Google Now mir zuverlässig interessante Orte in der Nähe, alles, was ich innerhalb von 15 Minuten zu Fuß erreichen kann. Da wären Restaurants, Parks oder Sehenswürdigkeiten. Spitze, ein Klick auf eines der Bilder und ich bekomme mehr Informationen darüber und kann mich dort hin navigieren lassen. So habe ich mir das vorgestellt, ein fettes „Danke schön“ an Google dafür.

Wo Licht ist, da ist auch Schatten

Leider ist doch nicht alles Heile in der kleinen Welt von Google Now. Abgesehen davon, dass es nicht spricht (zumindest mit mir nicht, die Funktion bekomme ich sicherlich auch bald, den neuen Play Store bekam ich ja auch erst ein paar Wochen nach Beginn der Update-Verteilung), ist Now auch ziemlich arbeitsfaul. Wie Google Now mit Sprachausgabe funktioniert, zeigt hier erneut der Caschy.

Es war als Begleiter gedacht. Wenn ich aber nicht die App aufrufe und manuell aktualisiere, tut sich gar nichts. Und beim Widget erst recht nichts. Doch genau das sollte es ja tun. Now merkt nicht, wenn ich aus dem Haus bin um beispielsweise zur Arbeit zu gehen. Auch, dass ich einen anderen Weg zur Arbeit nehme als Now ihn mir vorschlägt, hat es bisher noch nicht begriffen.

Aber dicker kommt es eigentlich bei der mobilen Nutzung der Kartenfunktion. Natürlich soll Now nicht konstant mit GPS und der Funkpeilung aktualisieren, wo ich gerade bin, denn das würde den Akku ziemlich schnell aufbrauchen. Aber zumindest bei Aktivierung des Displays oder Aufruf der App ist es eigentlich Pflicht, dass Google sich eben schnell aktualisiert.

Da eine Aktualisierung nicht automatisch stattfindet, aktualisiere ich zum Testen immer wieder mal, um zu sehen, ob Now weiß, wo ich bin und mir die Restzeit bis zum Arbeitsplatz korrekt anzeigt. Ergebnis: Ich brauche unheimlich lang. Denn selbst wenn ich an einem Bahnhof stehe und aktualisiere, zeigt Now mir zuerst den Fußweg zum vorherigen Bahnhof an, dafür dann aber die korrekte nächste Abfahrzeit. Bei einem regelmäßigen Aktualisierungsintervall würde ich das ja verstehen, aber nicht, wenn ich bereits stehe und manuell aktualisiere.

Auf dem Rückweg steige ich immer um. Ich stehe auf dem Bahnsteig und aktualisiere. Die Bahn ist bereits weg, die nächste kommt gleich. Laut Now aber nicht, denn ich muss noch zum Bahnhof laufen und kriege die Bahn, die gleich einfährt dann natürlich nicht. Aber dafür zeigt Now mir interessante Orte in der Nähe. Eine erneute Aktualisierung eine halbe Minute später hingegen hat Now zu der Erkenntnis verleitet, dass ich ja doch am Bahnhof stehe und es schaffe. Na also, warum nicht gleich so?

Super Sache oder Bananensoftware?

Ich habe Google Now während der vergangenen Woche nun ziemlich häufig benutzt. Eine Antwort auf die Frage kann man eigentlich nicht geben. Ist Google Now fertig? Nein, definitiv nicht. Hat Google Now einen Nutzen? Definitiv ja. Taugt Google Now als Alltagsbegleiter? Teilweise.

Google Now ist einfach noch nicht fertig. Die Spracherkennung funktioniert wunderbar, damit bin ich schon sehr zufrieden. Auch die interessanten Orte in meiner Nähe gefallen mir gut. Die Navigation könnte noch etwas besser sein, geht aber eigentlich auch in Ordnung. Was gar nicht geht ist die Aktualisierung, denn nicht mal ein fester Aktualisierungsintervall lässt sich einstellen. Das Widget ist super praktisch, bringt mir aber auch nichts, wenn ich die App brauche, damit es meine gewünschten Informationen aktuell anzeigt.

Auch hat es beim Champions-Leaque-Finale geschwiegen, obwohl es sich eigentlich hätte denken können, dass Informationen über Borussia Dortmund für mich von Interesse hätten sein können.

Abwarten und Tee trinken

Es bleibt abzuwarten, ob Google Now noch zum Siri-Killer wird und damit eines der Hauptargumente für das neue iPhone egalisiert. Fertig ist es noch lange nicht. Aber das wurde eigentlich auch nie behauptet, denn dass der Befehl „Ok, Google“ zu nichts führt ist bekannt und wohl gewollt. Auch die Sprachausgabe kommt erst nach und nach.

Ich werde Now behalten und weiter beobachten. Es kann ganz fantastisch werden, die Grundlagen sind geschaffen. Ausgereift geht jedoch anders.


Ein Gedanke zu “Ausprobiert: Eine Woche mit Google Now

  • Joaquin

    Google Now ist ein beeindruckendes Stück Technik, was mit der Zeit sicher ein beachtliches Potential entwickeln wird. Bedenken sollte man dabei, dass diese Informationen nicht auf dem eigenem Smartphone gesammelt und ausgewertet werden, sondern in und von den Google Servern. Hier werden die Daten zusammengetragen ausgewertet und zum Verbraucher geschickt. Mit ein wenig Phantasie, kann sich hier jeder ausmahlen, was da Google über einen an persönlichsten Informationen erhält.

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