Wo du Satellitenbilder herbekommst – von kostenlos bis kostenpflichtig

Satellit im AllImmer wieder stelle ich mir die Frage, bei aktuellen Zeitungsartikeln, spannenden Startups, Hedgefondsanektdoten, SpaceX und Co, wie genau funktioniert das eigentlich mit den Satelitenbildern, könnte ich mir mal eben eines schießen lassen vom Büro oder geht das faktisch nur als Großkonzern oder Land? Daher habe ich mal recherchiert, welche Quellen sind kostenlos, welche kosten richtig Geld, was darfst du mit den Bildern machen und wie schnell kommst du an die Daten? Ich liefere dir einen etwas längeren Überblick über den Markt im Jahr 2026 – mit konkreten Preisen, Auflösungen und Anbietern.

Wenn du an Satellitenbilder denkst, hast du wahrscheinlich Google Earth im Kopf: ein paar Klicks, fertig. Was die wenigsten wissen: Google Earth zeigt dir Bilder, die teilweise zwei bis vier Jahre alt sind, und die höchstauflösenden Aufnahmen darin stammen von Flugzeugen, nicht von Satelliten. Wer für ein Startup, einen Hedgefonds, eine Versicherung oder ein Forschungsprojekt brauchbare Daten will, braucht etwas anderes.

Die gute Nachricht: Der Markt ist explodiert. Es gibt heute mehr Satellitenbilder als jemals zuvor, die Preise sind in vielen Segmenten kollabiert, und es gibt mehrere Wege zum Ziel – vom kostenlosen Datensatz bis zum Hochpräzisions-Bild auf Abruf. Die schlechte Nachricht: Der Markt ist unübersichtlich, die Preise extrem variabel und die Lizenzbedingungen oft kompliziert. Dieser Satellitenbildratgeber räumt damit auf.

Was bedeutet „Auflösung“ bei Satellitenbildern eigentlich?

Wenn ein Anbieter von „30 Zentimeter Auflösung“ spricht, meint er: Ein Pixel auf dem Bild entspricht einem Quadrat von 30 cm Kantenlänge auf dem Boden. Daraus ergibt sich praktisch direkt, was du erkennen kannst:

  • 30 m Auflösung (Landsat): Du erkennst Wälder, Städte, Flüsse. Keine einzelnen Gebäude.
  • 10 m Auflösung (Sentinel-2): Du siehst große Gebäude, Felder, Straßennetze. Keine Autos.
  • 3-5 m Auflösung (Planet Dove): Einzelne Häuser sind erkennbar, große Fahrzeuge wie LKW auch. Keine PKW.
  • 1 m Auflösung: Autos sind sichtbar als Objekte, aber nicht zählbar im Detail.
  • 50 cm Auflösung: Autos zählbar, Personenmengen abschätzbar.
  • 30 cm Auflösung (Vantor/ex-Maxar, Pléiades Neo, WorldView Legion): Einzelne Personen erkennbar als Pixel-Punkte, Fahrzeugtypen unterscheidbar (PKW vs. SUV vs. Transporter), Container-Stapelmuster sichtbar, Solarpanels auf Dächern zählbar, Straßenmarkierungen erkennbar, einzelne Bäume identifizierbar.
  • 25 cm Auflösung (SuperView Neo seit Februar 2025,): Aktuelle kommerzielle Spitze. Fahrzeuge nicht nur unterscheidbar, sondern hellere Farben grob lesbar (rotes vs. silbernes Auto). Bauphasen auf Baustellen klar zu trennen, einzelne Marktstände auf Wochenmärkten sichtbar, Sportarten auf öffentlichen Plätzen erkennbar (Fußball vs. Tennis).
  • 15 cm „HD-Resampled“: Keine echte Pixel-Auflösung, sondern eine Nachbearbeitung höherauflösender Bilder. Anbieter wie Vantor produzieren das aus 30-cm-Originalen. Brauchbar für hochpräzise Vermessung, Defekterkennung an Infrastruktur (Risse in Straßenbelägen oder Brücken werden sichtbar), urbane Stadtmodelle und forensische Analysen. Was du nicht bekommst: Gesichtserkennung, Kennzeichen lesen, Personen unterscheiden, das ist ein Hollywood-Mythos.

Wichtig: Höhere Auflösung ist nicht immer besser. Für die meisten Anwendungen – Landwirtschaft, Versicherung, Klimadaten – reichen 3 bis 10 Meter völlig aus. Hochauflösende Bilder kosten teilweise das Zehn- bis Zwanzigfache, ohne dass du mehr Information bekommst, wenn dein Use Case sie nicht braucht.

Der zweite wichtige Parameter: Revisit-Zeit, wann kommt der Satellit wieder vorbei

Das ist die Zeitspanne, bis ein Satellit (oder dessen Konstellation) wieder am selben Punkt der Erde vorbeikommt. Hier die wichtigsten Größen:

  • Landsat: rund 8 – 16 Tage
  • Sentinel-2: rund 5 Tage am Äquator, in Europa etwas häufiger
  • Planet Dove-Konstellation: täglich (rund 200 Satelliten machen das möglich)
  • Vantor WorldView/Pléiades Neo: mehrmals täglich theoretisch möglich, in der Praxis abhängig von Bewölkung und Tasking-Priorität
  • ICEYE SAR-Konstellation: mehrmals täglich, Wetterunabhängig
  • BlackSky: bis zu 15-mal pro Tag an Schlüsselstandorten

Für Zeitreihen-Analysen brauchst du eine kurze Revisit-Zeit. Für eine einmalige Bestandsaufnahme reicht ein einzelnes Bild. Das ist natürlich auch preisrelevant.

Kostenlose Quellen für Satellitenbilder: Was du ohne Budget bekommst

Copernicus Browser (ESA)

Die wichtigste Adresse für freie Daten in Europa. Komplette Sentinel-Konstellation kostenlos:

  • Sentinel-1: Radardaten (SAR), wetterunabhängig, 5-20 m Auflösung
  • Sentinel-2: Optische Multispektral-Bilder, 10 m Auflösung
  • Sentinel-3: Ozean- und Landoberfläche, 300 m
  • Sentinel-5P: Atmosphärische Daten, Treibhausgase

Zugang über dataspace.copernicus.eu. API verfügbar. Lizenz: vollständig frei, auch für kommerzielle Nutzung. Wichtige Änderung: Der ältere Sentinel Hub EO Browser hat im Februar 2025 den anonymen Gratiszugang eingestellt, der ist jetzt Teil des kommerziellen Sentinel Hub-Angebots. Der Copernicus Browser ist die offizielle kostenfreie Alternative.

USGS EarthExplorer (NASA/USGS)

Das amerikanische Pendant. Hier findest du:

  • Landsat 1-9: Archiv über 50 Jahre, 30 m Auflösung, weltweit
  • MODIS: Tägliche globale Bilder bei 250 m bis 1 km, gut für Klima
  • ASTER: 15-90 m, Geologie und Landoberfläche
  • CORONA: deklassifizierte Spionage-Satellitenbilder aus den 60ern und 70ern
  • NAIP: Luftbilder USA, 1 m Auflösung

Lizenz: U.S. Government Public Domain, kommerzielle Nutzung erlaubt.

NASA Earthdata und Worldview

Tools für Wissenschaftler und Entwickler. Vollständige API-Anbindung über die Common Metadata Repository (CMR). Wichtig für Klima- und Umweltforschung.

Microsoft Planetary Computer

Microsoft hat seit 2025 ein riesiges Repository freier Geo-Daten aufgebaut – inkl. einer Kooperation mit der NASA. Seit September 2025 sind dort auch die Harmonized Landsat Sentinel-2-Daten verfügbar, die optische Bilder aus beiden Programmen kombinieren. Cloud-basierter Zugriff über STAC-API.

Google Earth Engine

Kostenlos für nicht-kommerzielle Nutzung – Forschung, NGOs, Studierende. Für kommerzielle Nutzung gibt es Earth Engine Commercial mit Pricing auf Anfrage. Die Plattform hat den Vorteil, dass Rechenleistung mitgeliefert wird – du kannst Petabytes an Sentinel- und Landsat-Daten verarbeiten, ohne sie selbst herunterzuladen.

Was du bei kostenlosen Daten realistisch erwarten kannst

  • Auflösung: maximal 10 m bei optisch, 5 m bei Radar
  • Aktualität: in der Regel 1-7 Tage zwischen Aufnahme und Verfügbarkeit
  • Globale Abdeckung: ja, mit gewissen Lücken bei Polargebieten
  • Tasking: nicht möglich, du nimmst was kommt
  • Wartezeit: für freie Bilder eines bestimmten Punkts: 5 Tage (Sentinel-2) bis 16 Tage (Landsat)

Für viele Use Cases, wie Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Klima, große Infrastrukturprojekte, ist das ausreichend. Wer Echtzeit-Hochauflösung will, der muss etwas Geld mitbringen.

Kommerziell Bilder direkt einkaufen: Archiv und neue Aufnahmen

Wenn dir das Kostenfreie nicht reicht, gibt es drei Wege: Archiv (existierende Bilder), neue Bestellung (Tasking), Abo.

Die wichtigsten Anbieter

Vantor (ehemals Maxar) ist der Marktführer im Hochauflösungs-Segment. Die WorldView-Konstellation liefert 30 cm Auflösung, das neue WorldView Legion ergänzt seit 2024/25 die Kapazität. Vantor liefert vor allem an Behörden, Militär und Großunternehmen. Direkter Kauf möglich, aber Preise stark variabel und meist auf Anfrage.

Airbus Defence and Space betreibt:

  • Pléiades: 50 cm Auflösung, etablierte Generation
  • Pléiades Neo: 30 cm Auflösung, seit 2021/22 in Vollbetrieb
  • SPOT 6/7: 1,5 m, breitere Abdeckung
  • Vision-1: kleinere Konstellation

Airbus‘ Plattform heißt OneAtlas Living Library – ein Subscription-Modell, das Zugriff auf das komplette Archiv plus regelmäßige Neuaufnahmen in deinen Interessensgebieten erlaubt.

Planet Labs ist der Spezialist für tägliche globale Abdeckung. Die Dove-Konstellation mit über 200 Satelliten liefert täglich Bilder fast überall auf der Erde bei 3-5 m Auflösung. Für höhere Auflösung gibt’s die SkySat-Konstellation (sub-Meter, taskable) und seit 2023/24 die neue Pelican-Generation. Planets Geschäftsmodell ist explizit Subscription-First.

ICEYE (Finnland) und Capella Space (USA) sind die führenden SAR-Anbieter (Synthetic Aperture Radar). Bedeutet: Radar statt optisch, also wetterunabhängig und auch nachts. Für Versicherer nach Naturkatastrophen, für Maritime-Monitoring und für Anwendungen unter dichter Wolkendecke unverzichtbar. ICEYE liefert teilweise unter einem Meter Auflösung.

BlackSky liefert hochfrequente Aufnahmen an Schlüsselstandorten – bis zu 15-mal pro Tag derselbe Punkt. Geringere Auflösung (rund 1 m), dafür Frequenz. Beliebt bei Defense und Geheimdiensten.

SuperView Neo (chinesisch, via Resellern verfügbar): Seit Februar 2025 sind die Satelliten 03 und 04 in Betrieb, native 25 cm Panchromatic-Auflösung. Aktuell die kommerzielle Spitze.

Spire Global spezialisiert auf Wetterdaten, Schiff-Tracking (AIS) und Flugzeug-Tracking via Funksignale. Andere Datenkategorie als die optischen Anbieter, aber für viele Use Cases zentral.

Konkrete Preise im Markt

Das ist der Bereich, in dem die meisten Käufer überrascht sind. Hier eine Übersicht typischer Preisstrukturen Anfang 2026 – Preise primär in Euro mit USD in Klammern, Umrechnung bei einem Kurs von rund 1 EUR = 1,08 USD:

Archivbilder (existierende Aufnahmen):

  • VHR (very high resolution, unter 1 m): 12-28 Euro pro km² (ca. 13-30 USD)
  • HR (high resolution, 1-5 m): 5-19 Euro pro km² (ca. 5-20 USD)
  • Mittlere Auflösung (5-30 m): oft frei oder unter 5 Euro

Neuaufnahmen (Tasking):

  • VHR Standard: 19-56 Euro pro km² (ca. 20-60 USD)
  • VHR Priority (schnellere Bearbeitung): 34-83 Euro pro km² (ca. 37-90 USD)
  • VHR Emergency (sofortige Bearbeitung): 61-139 Euro pro km² (ca. 66-150 USD)

Mindestabnahmemengen:

  • Archiv: typischerweise 25 km² Minimum
  • Tasking: typischerweise 100 km² Minimum
  • Bei manchen Premium-Anbietern (Vantor) noch höher

Das heißt: Selbst wenn du nur ein einzelnes Gebäude monitoren willst, musst du 25 km² Bildfläche kaufen. Bei 19 Euro pro km² sind das rund 465 Euro (ca. 500 USD) für ein einziges Archivbild.

Preisaufschläge bei Bildern aus dem All

Auch die solltest du kennen, weil sie schnell durchschlagen:

  • Stereo-Aufnahmen (für 3D-Modelle): Verdoppelung des Preises
  • Tri-Stereo: Verdreifachung
  • Bewölkungsgarantie unter 10 Prozent: +7 Euro pro km² (ca. +8 USD)
  • Bewölkungsgarantie unter 5 Prozent: +14 Euro pro km² (ca. +15 USD)
  • Bestimmter Blickwinkel (Off-Nadir-Angle): +3-8 Euro pro km² (ca. +3-9 USD)

Diese Aufschläge sind nicht trivial. Wenn du sicherstellen willst, dass dein Bild garantiert klar ist (kritisch z. B. für Versicherungsfälle), kann sich der Preis schnell verdoppeln.

Marktplätze und Aggregatoren: Der einfache Weg

Wer nicht direkt mit Vantor, Airbus oder Planet verhandeln will, geht über einen Aggregator. Drei wichtige Adressen:

SkyWatch EXPLORE

Kanadischer Anbieter, der dir Zugriff auf Airbus, Vantor (ex-Maxar), Planet, SuperView Neo und weitere gibt – über eine einzige Plattform mit transparenten Preisen. API-Zugang verfügbar. Gut für Entwickler und kleinere Unternehmen.

SkyFi

Mobile-First-Plattform mit Schwerpunkt auf einzelnen Bestellungen für kleine Areas. Ab rund 7 Euro pro km² (ca. 8 USD) für Archivbilder. Über 90 Satellitenquellen integriert. Geht besonders auf den „kleinen Käufer“ zu, der nicht das volle Enterprise-Pricing schlucken will.

UP42

War lange Teil von Airbus, wurde im Juli 2025 von der saudischen Neo Space Group übernommen. Plattform mit über 100 Datenanbietern, API-First-Ansatz, beliebt bei Entwicklern. Nach der Übernahme strategisch interessant zu beobachten.

Geopera

Anbieter, der mit besonders transparentem Pricing ab 2,80 Euro pro km² (ca. 3 USD) wirbt und Verarbeitung inkludiert. Versteht sich als Alternative zu den großen Aggregatoren.

Ongeo Intelligence

Spezialisiert auf kleine Flächen – kann Mindestabnahmen umgehen, was für Property-Verifikation, Einzelgebäude-Monitoring und ähnliche Mikro-Anwendungen relevant ist.

Soar

Plattform mit fixem Preis (5,60 Euro pro km² Archiv, 9,30 Euro Tasking – ca. 6 USD bzw. 10 USD) für SuperView-Bilder. Berechenbar, gut für Privatnutzer und kleinere Projekte.

Vorteil aller Marktplätze: Du siehst Preise direkt, kannst vergleichen, brauchst keine Verhandlung. Nachteil: Bei großen oder speziellen Aufträgen ist der direkte Weg zum Anbieter oft günstiger.

Abo-Modelle: Wenn du dauerhaft Daten brauchst

Subscription-Pricing ist 2024/2025 stark gewachsen, weil viele Anwender konstante Monitoring-Daten brauchen, nicht einzelne Bilder.

Planet Monitoring: Zugriff auf 3 m PlanetScope-Daten, weltweit, alle paar Tage refreshed. Höhere Auflösung über SkySat als Add-on. Einstiegspreise laut Geoawesome ab rund 28.000 Euro pro Jahr (ca. 30.000 USD).

Airbus OneAtlas Living Library: Multi-Resolution Premium-Daten (Pléiades, Pléiades Neo, SPOT) plus historische Archive. „Buffet-Lizenz“ auf das gesamte Airbus-Portfolio.

Vantor SecureWatch: Streaming-Zugriff auf 30 cm Aufnahmen mit integrierten Analytik-Tools. Stark im Defense- und Government-Segment.

Bing Maps Enterprise: Ab rund 5.000 Euro pro Jahr für Standardnutzung, skalierend mit User-Zahl.

Microsoft Azure Maps und Google Maps Platform: Eigene Pricing-Modelle, primär für Anwendungen, die Karten brauchen, weniger für Rohdaten-Analyse.

APIs: Wenn du Daten automatisiert brauchst

Praktisch alle Anbieter haben APIs. Die wichtigsten:

  • Copernicus Data Space Ecosystem API: kostenlos, STAC-Standard, Sentinel-Daten
  • NASA Earthdata Search API: kostenlos
  • Planet API: REST-basiert, separate Endpoints für Data, Tasking, Subscriptions, Analytics
  • Airbus OneAtlas API: für Subscription-Kunden
  • Vantor/Maxar APIs: mehrere Endpoints für Tasking, SecureWatch, Analytics
  • ICEYE Persistent Monitoring API: für SAR-Daten
  • SkyWatch API und UP42 API: Aggregator-APIs, ein Zugang für mehrere Anbieter
  • STAC (SpatioTemporal Asset Catalog): offener Standard, den die meisten neueren APIs sprechen

STAC ist 2024/2025 zur wichtigsten gemeinsamen Sprache der Branche geworden. Microsoft Planetary Computer, Planet Labs, NASA, USGS und viele kleinere Anbieter unterstützen den Standard – das heißt, ein einziger Client kann gegen mehrere Datenquellen sprechen. Die Python-Bibliotheken PySTAC und PySTAC-Client (beide unter stac-utils auf GitHub) sind die De-facto-Implementierungen, die unter anderem von Microsoft Planetary Computer in dessen offiziellen Beispiel-Notebooks empfohlen werden. Wer eigene EO-Datenpipelines baut, kommt aktuell kaum daran vorbei.

Empfehlung für den Einstieg: Wenn du Python ohnehin nutzt, fang mit PySTAC-Client und dem Copernicus Data Space Endpoint an – kostenlos, gut dokumentiert, deckt 80 Prozent der Use Cases ab. Wenn du dann kommerzielle Anbieter brauchst, kannst du denselben Client gegen Planet, Microsoft Planetary Computer oder andere STAC-kompatible Endpoints richten.

Wartezeiten für Satellitenbilder in der Praxis

Es gibt drei Stufen, je nachdem, was du brauchst:

Archivbilder:

  • Sentinel/Landsat: sofort verfügbar
  • Kommerzielle Anbieter Standard: 2-5 Werktage Lieferung
  • Über Premium-Reseller (z. B. Geopera): ab 1 Stunde nach Bestellung

Neuaufnahmen (Tasking) Standard:

  • Tasking-Upload zum Satelliten: oft innerhalb 3 Stunden nach Bestellung
  • Erste mögliche Aufnahme: abhängig von Orbit und Bewölkung, meist 1-14 Tage
  • Lieferung nach Aufnahme: 2-7 Tage

Neuaufnahmen Emergency:

  • Premium-Anbieter liefern in 24 Stunden bis zu wenigen Stunden nach Aufnahme
  • Preis: 3-5x Standard-Tasking
  • Beispiel: ICEYE liefert nach Wirbelstürmen für Versicherer typisch unter 24 Stunden Schadensbilder

Limitierender Faktor Bewölkung: Das wird unterschätzt. Wenn dein Zielgebiet zu 70 Prozent bewölkt ist (z. B. Mitteleuropa im Winter, Tropen in der Regenzeit), kann ein Tasking-Auftrag Wochen dauern, bis eine brauchbare Aufnahme gelingt. Hier zeigt sich der Wert von SAR-Satelliten (ICEYE, Capella), die wetterunabhängig sind.

Beispiele: Wer nutzt Satellitenbilder eigentlich und wofür?

Der Markt ist sehr viel breiter als das Klischee „Spionage und Militär“ vermuten lässt. Hier sind sieben Branchen-Cluster, die heute in der Praxis Daten kaufen, mit konkreten Use Cases und typischen Anbietern.

Satellitenbilder in der Finanzbranche und Investment Research

Wenn du für einen Hedgefonds, ein Family Office oder eine Investmentboutique nach Daten suchst, ist der Markt anders strukturiert. Hier zählt eher nicht das Einzelbild, sondern die analytische Insight.

Spezialisierten Anbieter dafür sind u.a.:

Orbital Insight kombiniert Satellitenbilder mit Mobilfunk-Standortdaten, Connected-Car-GPS und anderen alternativen Daten. Tracking von Asset-Level-Aktivität, Supply Chains, Foot Traffic an Retail-Standorten, Öl-Lagerbestände, Power-Plant-Output. Kunden: Hedgefonds, große Asset Manager.

SpaceKnow ähnliches Modell, Schwerpunkt China und Schwellenländer. Bekannt für den „China Satellite Manufacturing Index“.

RS Metrics war 2011 der Pionier der Parkplatz-Analyse. Heute breiteres Angebot: Asset-Level-Performance, ESG-Insights, Foot Traffic. Hat eine berühmte Studie der UC Berkeley (Patatoukas/Katona 2019) inspiriert, die zeigte, dass Hedgefonds mit RS-Metrics-Daten Renditen von 4-5 Prozent in 3 Tagen nach Earnings-Ankündigungen erzielten.

SkyFi macht das Marktsegment für kleinere Player zugänglich – Family Offices und kleinere Funds, die nicht das Enterprise-Budget der großen Hedgefonds haben.

Typisches Preisniveau für institutionelle Finanzkunden: 46.000 bis 463.000 Euro (ca. 50.000 bis 500.000 USD) pro Jahr für strukturierte Daten-Feeds. Custom-Reports und Echtzeit-Alerts kosten extra.

Berühmter Use Case: Tiger Global zählte 2014 Autos auf Walmart-Parkplätzen via Satellitenbildern, um Quartalsumsätze vor offiziellen Earnings zu schätzen. Der Trade war jahrelang profitabel, bis er „crowded“ wurde – zu viele Funds nutzten dasselbe Signal. Heute geht es oft um subtilere Patterns: Hafenauslastung, Industrieaktivität, Bauaktivität bei Tech-Unternehmen, Lager-Logistik.

Versicherung und Risikomanagement und deren Weltraumbildnutzung

Einer der am schnellsten wachsenden Anwendungsbereiche. Versicherer nutzen Satellitendaten in mehreren Stufen:

Vor Vertragsabschluss (Underwriting): Bewertung von Risiken anhand der Lage. Liegt das Gebäude in einer Überschwemmungszone? Wie ist die Vegetation rund um die Industrieanlage (Brandrisiko)? Welche Bauqualität haben die Nachbargebäude? Großversicherer wie Munich Re, Swiss Re, Zurich und Allianz haben dafür eigene Geospatial-Teams aufgebaut.

Bei Schadensfällen: Nach Wirbelstürmen, Hochwasser oder Großbränden liefern Anbieter wie ICEYE (SAR-Spezialist) und Planet Labs binnen 24-48 Stunden detaillierte Schadenskarten. Das ermöglicht parametrische Versicherungen, bei denen die Auszahlung automatisch erfolgt, sobald bestimmte Schwellenwerte (z. B. überschwemmte Fläche über 30 Prozent) erreicht sind. Klassische Schadensbegutachtung dauert oft Wochen, Satellitendaten verkürzen das auf Tage.

Im Klimarisiko-Reporting: Versicherer müssen nach EU-Taxonomie und CSRD ihre Klimarisiken offenlegen. EO-Daten sind die wichtigste Datenquelle dafür.

Konkrete deutsche Use Cases:

Munich Re nutzt Satellitendaten seit Jahren systematisch für Naturkatastrophen-Modellierung. Die Tochter Munich Re Geo Risks verarbeitet Daten unter anderem aus der Internationalen Charta „Space and Major Disasters“, einem Zusammenschluss von Raumfahrtagenturen, in dem auch das DLR Mitglied ist. Beim Ahrtal-Hochwasser 2021 wurden Satellitenaufnahmen unter anderem genutzt, um Überflutungsflächen zu kartieren und die rund 6,7 Milliarden Euro Gesamtschaden initial einzuordnen.

Munich Re S4 AgTech hat eine indexbasierte Ernteversicherung entwickelt, die auf dem Enhanced Vegetation Index (EVI) der NASA basiert – komplett aus Satellitendaten abgeleitet, ohne manuelle Schadensbegutachtung im Feld. Ergänzt wurde sie um einen separaten Überschwemmungstrigger, der ebenfalls satellitengestützt arbeitet. Erstmals großflächig eingesetzt in Argentinien für die Sojaproduktion.

Allianz und R+V Versicherung nutzen Satellitendaten bei Großschäden in der Sachversicherung. Nach den Sturm- und Hagelereignissen im Sommer 2024 in Norddeutschland (Gesamtschaden 4,6 Milliarden Euro) wurden Satellitenbilder als Ergänzung zur Vor-Ort-Begutachtung eingesetzt.

Typische Werkzeuge: ICEYE Persistent Monitoring, Planet Insights Platform, Maxar/Vantor Crisis Response Services, Copernicus Emergency Management Service (kostenlos für Behörden und gemeinnützige Aktivierungen).

Landwirtschaft und Lebensmittel

Hier ist Sentinel-2 oft Gold wert, da kostenlos, 10 m Auflösung, alle paar Tage neu. Anwendungen dafür u.a:

Precision Farming: Apps wie xarvio (BASF), Klim oder John Deere Operations Center nutzen Satellitenbilder, um Düngung, Bewässerung und Aussaat parzellengenau zu steuern.

Ernteprognosen: Konzerne wie Cargill, Bunge oder Bayer nutzen großflächige Satellitenanalysen, um Welternten zu prognostizieren – wichtig für Beschaffungspreise und Spekulation an Warenterminbörsen.

Wassermonitoring: Anbieter wie das deutsche Startup Constellr liefern hochpräzise Thermaldaten, die zeigen, wo auf einem Feld Wasserstress auftritt, bevor das menschliche Auge etwas sieht.

Schädlings- und Krankheitserkennung: Veränderungen in der spektralen Signatur von Pflanzen lassen sich aus dem Orbit erkennen, oft bevor Symptome bodenseitig sichtbar werden.

Konkrete deutsche Use Cases:

EU-Agrarsubventionen-Kontrolle (InVeKoS). Seit der Förderperiode 2023 schreibt die EU den Einsatz von Satellitendaten für die Flächenkontrolle bei Agrarförderungen vor. In Deutschland setzt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zusammen mit den Bundesländern das Area Monitoring System (AMS) als Teil des Integrierten Verwaltungs- und Kontrollsystems um. Damit wird für jede landwirtschaftliche Förderfläche in Deutschland mit Hilfe von Sentinel-1- und Sentinel-2-Daten geprüft, ob die angegebene Nutzung (z. B. Weizen, Mais, Grünland) auch tatsächlich vorliegt. Bayern übernimmt dabei die Zwischenfinanzierung der gemeinsamen Plattform.

Julius Kühn-Institut (JKI) Braunschweig. Das Forschungszentrum für landwirtschaftliche Fernerkundung (FLF) ist die offizielle BMEL-Anlaufstelle für Satellitenanwendungen in der Landwirtschaft. Werkzeuge wie der Bodenzustandsindex aus Sentinel-1-Radardaten erlauben das exakte Bestimmen von Erntezeitpunkten und Bodenbearbeitungsphasen.

Thünen-Institut. Bundesforschungseinrichtung mit eigener Open-API für Landnutzungs- und Waldflächenstatistiken. Wird unter anderem für die deutsche Klimaberichterstattung und IPCC-Reportings genutzt.

Bayer und BASF. Beide Konzerne haben mit xarvio (BASF Digital Farming) und Climate FieldView (Bayer) digitale Plattformen für Landwirte aufgebaut, die direkt auf Sentinel- und Planet-Satellitendaten zugreifen. Deutsche Höfe nutzen das für teilflächenspezifische Düngung, Krankheitsfrüherkennung und Aussaatplanung.

AGRAVIS und Esri Deutschland. Im Projekt AgriNAVI gemeinsam mit dem Institut für Agrarökologie der RLP AgroScience: ein Navigationssystem für die Landwirtschaft, das auf Copernicus-Daten basiert.

Typisches Preismodell: Sentinel-2 kostenlos plus optionale Premium-Subscription (Planet, Constellr) für höhere Frequenz oder Spezialdaten.

Infrastruktur und Energie

Stromnetzbetreiber, Pipelinekonzerne, Bahnunternehmen und Wasserversorger nutzen Satellitendaten, um ihre über tausende Kilometer verteilten Anlagen zu überwachen.

Beispiel Deutsche Bahn: Nutzt das Berliner Startup LiveEO für satellitengestützte Überwachung der Vegetation entlang von Gleisanlagen. Wo wächst ein Baum so dicht an die Strecke, dass er bei Sturm umfallen könnte? Wo ist die Vegetation so dicht, dass sie zum Brandrisiko wird?

Beispiel deutsche Stromnetzbetreiber: TenneT, 50Hertz, Amprion und TransnetBW überwachen ihre Hochspannungstrassen aus dem Orbit. Schäden nach Stürmen, illegale Bebauung in Sicherheitskorridoren, Vegetationsrisiken. International nutzen Iberdrola und E.ON ähnliche Services.

Beispiel Pipelines: Energiekonzerne überwachen Gas- und Öl-Pipelines auf Lecks (sichtbar an Vegetationsänderungen), illegale Anzapfversuche und Bauaktivität in der Nähe. Open Grid Europe (OGE) als deutscher Fernleitungsnetzbetreiber arbeitet hier mit kommerziellen Anbietern.

Beispiel Offshore-Windparks: Monitoring von Bauarbeiten, Schiffsbewegungen, Wellengang. Hier ist SAR (ICEYE, Capella) unverzichtbar, weil Offshore-Standorte häufig bewölkt sind. RWE und Iberdrola nutzen das für ihre Nordsee-Projekte.

Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR): Nutzt Satellitendaten unter anderem für die Überwachung von Bodensenkungen in Bergbaugebieten und die Geoinformations-Unterstützung von Entwicklungsländern. Eigene Projekte zur Stadtplanung und Klimaanpassung, etwa in Bangladesch in Kooperation mit dem Geological Survey of Bangladesh.

Klimaschutz, Forstwirtschaft und ESG

Ein Markt, der durch Regulierung explodiert ist. Unternehmen müssen ihre Lieferketten und Klimabilanz dokumentieren, NGOs und Behörden überwachen Naturräume.

Entwaldungs-Monitoring: Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) zwingt Unternehmen, nachzuweisen, dass ihre Rohstoffe (Soja, Palmöl, Kakao, Rindfleisch, Holz, Kaffee, Kautschuk) nicht aus entwaldeten Gebieten stammen. Das geht praktisch nur mit Satellitendaten. Anbieter wie Satelligence (Niederlande) und Descartes Labs (USA) haben darauf spezialisierte Plattformen.

Carbon Markets: Verifikation von Carbon-Credit-Projekten (Aufforstung, Waldschutz) erfolgt über Satellitendaten. Pachama, Sylvera und Renoster nutzen das.

Methan-Lecks: Spezialsatelliten wie GHGSat (Kanada) oder MethaneSAT (EDF) finden Methan-Austritte aus Industrieanlagen, Mülldeponien und Pipelines. Wichtig für Klimaziele und Compliance.

Konkrete deutsche Use Cases:

Wald und Holz NRW – Waldbrandabwehrkarte. Der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen wertet Sentinel-2-Satellitenbilder aus, um den Gesundheitszustand der Nadelwälder kontinuierlich zu überwachen. Daraus wird ein „Vitalitätslayer“ abgeleitet, der ins Informationssystem Gefahrenabwehr NRW (IG NRW) eingespeist wird und Feuerwehren bundesweit einzigartig flächendeckend zur Verfügung steht. Anwendung: Identifikation von Risikoflächen (z. B. Sturmwurfflächen mit trockener Bodenvegetation) und Lageeinschätzung im Brandfall.

Thünen-Institut FNEWs. Das Forest Near-real-time Early Warning System des Thünen-Instituts kartiert deutschlandweit Waldschäden durch Sturm, Dürre und Insektenbefall (Borkenkäfer) auf Basis von Sentinel-Daten. Karten und Statistiken sind offen über Open-API verfügbar und werden von Forstbehörden in allen Bundesländern in ihre Geoinformationssysteme integriert.

DLR ZKI Fire Monitoring System. Das Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation des DLR betreibt ein vollautomatisiertes Waldbrand-Monitoring für Europa. Verarbeitet werden Daten der NASA-Satelliten Terra und Aqua (MODIS) über die DLR-Bodenstationen in Neustrelitz und Oberpfaffenhofen sowie Sentinel-3-Daten. Brandgrenzen werden binnen Minuten nach Verfügbarkeit aktualisiert.

OroraTech (München). Das Münchner Startup baut eine eigene Thermalsatelliten-Konstellation auf, die Waldbrände binnen Minuten erkennen soll. Aktuell 10 Satelliten im Orbit, Kunden weltweit. Vertrag der bayerischen und brandenburgischen Forstverwaltungen in Verhandlung.

Staatsbetrieb Sachsenforst Waldbrand-App. Kombiniert Satellitendaten mit Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes für Waldbrandvorhersage-Regionen in Sachsen.

Umweltbundesamt CORINE Land Cover. Das UBA verantwortet zusammen mit dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) die deutsche Komponente des europäischen CORINE-Programms. Daraus entsteht das Landbedeckungsmodell LBM-DE mit 1 Hektar Mindestkartiereinheit – Basis für nationale Klimaberichte, Flächennutzungsstatistiken und Umweltverträglichkeitsprüfungen.

DLR TanDEM-X-Waldkarte. Globale Karte des Waldzustands und der Waldveränderung, basierend auf Radardaten der deutschen TerraSAR-X- und TanDEM-X-Satelliten. Frei verfügbar für Forschung.

Behörden, Defense und Sicherheit

Der historisch größte Markt, der weiterhin den Großteil der Umsätze bei Vantor, Airbus und BlackSky stellt. Anwendungen:

Stadtplanung und Kataster: Bundesländer und Städte nutzen Satellitendaten für Bebauungspläne, Verkehrsplanung und Liegenschaftskataster.

Katastrophenschutz: Das Copernicus Emergency Management Service (CEMS) ist der europäische Standard – kostenlos, gut dokumentiert, weltweit einsatzfähig.

Grenzkontrolle und Migration: Behörden überwachen Grenzregionen und Schiffsbewegungen.

Militärische Aufklärung: Der klassische Anwendungsfall. Hier dominieren Vantor (für US-Behörden) und Airbus (für europäische Streitkräfte).

Maritime Surveillance: Tracking von Schiffsbewegungen, illegaler Fischerei, Sanktionsumgehungen. Spire Global, ICEYE und Capella sind hier zentrale Akteure.

Konkrete deutsche Use Cases:

Rheinmetall ICEYE Space Solutions – Projekt SPOCK. Der größte deutsche Satelliten-Verteidigungsauftrag der letzten Jahre. Im Dezember 2025 unterzeichnete das Bundesverteidigungsministerium einen Vertrag im Volumen von zunächst rund 1,76 Milliarden Euro – mit Optionen, die das Gesamtvolumen auf über 2,7 Milliarden Euro steigen lassen können. Auftragnehmer ist das Joint Venture aus Rheinmetall (Mehrheitsbeteiligung) und ICEYE Finnland. Das System soll die neue Panzerbrigade 45 der Bundeswehr in Litauen mit wetter- und tageszeitunabhängigen Radarbildern versorgen, ausgewertet mit Künstlicher Intelligenz. Laufzeit bis Ende 2030.

IRIS² – die europäische Multi-Orbit-Konstellation. Die EU plant mit IRIS² (Infrastructure for Resilience, Interconnectivity and Security by Satellite) eine Konstellation von fast 300 Satelliten bis 2031 für zivile und militärische Kommunikation. Europäische Antwort auf Starlink. Die Bundeswehr arbeitet zusätzlich an einer eigenen Multi-Orbit-SatCom-Konstellation.

BAAINBw – kommerzielle Erdbeobachtung. Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat in den letzten Jahren kommerzielle Quellen zunehmend in die militärische Aufklärung integriert – ein Trend, der durch Lieferengpässe bei SARah beschleunigt wurde.

Landesvermessung und Kataster. Praktisch alle deutschen Landesvermessungsbehörden integrieren Sentinel-Daten in ihre Aktualisierungsprozesse für ATKIS Basis-DLM (Amtliches Topographisch-Kartographisches Informationssystem). Schleswig-Holstein war einer der Vorreiter mit dem Projekt zur „Integration von Erdbeobachtungs-technologien in EDV-Strukturen der Landesvermessungsbehörden“.

Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG). Verantwortet das Landbedeckungsmodell LBM-DE und betreibt das Projekt FUNKIE (Fernerkundliches Umweltmanagement von Naturgefahren und deren Kartierung als Information für Entscheidungsträger).

DLR ZKI Internationale Charta. Das Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation des DLR ist als Mitglied der Internationalen Charta „Space and Major Disasters“ aktiviert worden, unter anderem nach dem Ahrtal-Hochwasser 2021 (Schaden 6,7 Milliarden Euro) und nach mehreren europäischen Sturzfluten. Die Auswertungen wurden als Karten und GIS-Datensätze für Einsatzkräfte bereitgestellt.

Stadtplanung – CityCLIM Karlsruhe, CoKLIMAx Konstanz. Mehrere deutsche Städte nutzen Copernicus-Daten für klimaresiliente Stadtplanung. Das Projekt CityCLIM unter Federführung von OHB und der Stadt Karlsruhe entwickelt eine Datenplattform für die Klimaanpassung von Metropolregionen. CoKLIMAx läuft mit der Stadt Konstanz, der HTWG Konstanz und der Universität Stuttgart. Berlin und München sind Partnerstädte im EU-Projekt CURE (Copernicus für urbane Resilienz in Europa).

KLIPS – KI-gestützte Hitzeinsel-Lokalisierung. Forschungsprojekt, das mit Hilfe von Satellitendaten und KI Hitzeinseln in deutschen Städten identifiziert – relevant für Stadtbegrünung, Anpassungsmaßnahmen und Gesundheitsschutz bei Hitzewellen.

Startups und Forschung

Für Gründer mit begrenzten Budgets ist das Free-Tier-Setup oft ausreichend. Typische Pfade:

Klima- und Sustainability-Startups: Copernicus + Microsoft Planetary Computer + Google Earth Engine (für nicht-kommerzielle Forschung kostenlos).

Computer-Vision-Startups, die EO-Daten zum Training brauchen: STAC-basierte Pipelines gegen Copernicus, ergänzt um Planet Education License (vergünstigte Konditionen für Forschung und Frühphase).

HardTech und Drohnen-Startups: Sentinel-Daten als Referenz, eigene Drohnen-Aufnahmen für Hochauflösung. Aggregatoren wie SkyFi für punktuelle High-Res-Bilder.

Wie sich der Markt 2026 weiterentwickelt

Drei Trends, die du im Auge behalten solltest:

Erstens: Preise fallen weiter. Mit Vantor WorldView Legion, Airbus Pléiades Neo und chinesischen Konstellationen wie SuperView Neo kommt mehr Hochauflösungs-Kapazität in den Markt. Mehr Angebot bedeutet meistens niedrigere Preise. Aggregatoren wie SkyFi und Geopera drücken zusätzlich.

Zweitens: Insights statt Bilder. Die Verschiebung von Bildverkauf zu „Insights-as-a-Service“ beschleunigt sich. Ein Hedgefonds will keine Bilder, er will eine Zahl („Foot Traffic Walmart Q3 +3,2 Prozent“). Anbieter, die diese Zahl liefern können, verdienen am meisten.

Drittens: KI verarbeitet die Daten zunehmend automatisch. Google Project Suncatcher, Nvidia mit GPUs für Geospatial-Workloads, große Foundation Models für Satellitenbilder (z. B. IBMs Geospatial Foundation Model mit NASA). Wer heute ein EO-Startup baut, baut nicht primär Hardware, sondern Software on Top der Rohdaten.

Viertens: Explosion der Startkapazitäten und sinkende Transportkosten.

Der physische Flaschenhals der Erdbeobachtung war jahrelang der Transport ins All. Startplätze waren rar, teuer und oft jahrelang im Voraus ausgebucht. Das hat sich grundlegend geändert: Durch die Etablierung von regelmäßigen Sammeltransporten (sogenannten Rideshare-Missionen) u.a. von SpaceX und einer wachsenden Zahl an verfügbaren Trägerraketen im Markt gibt es heute deutlich mehr und flexiblere Startfenster.

Gleichzeitig hat die Miniaturisierung der Technik dazu geführt, dass Satelliten viel kompakter und leichter geworden sind (sogenannte Smallsats oder CubeSats). Auch wenn der Bau und Start eines Satelliten nach wie vor ein hochkomplexes Unterfangen für Spezialunternehmen und Staaten bleibt: Der Zugang zum Orbit ist messbar planbarer, verlässlicher und im Verhältnis kostengünstiger geworden.